Projekt des Monats März 2019

Nur Gutes aus der Natur genießen: Münchner Wissenschaftlerteam entwickelt Schnellverfahren zur Detektion gesundheitlich bedenklicher Pflanzeninhaltsstoffe

Eine Quelle für Pyrrolizidinalkaloide: Das Gewöhnliche Greiskraut (<span class='kursiv'>Senecio vulgaris</span>).
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Pyrrolizidinalkaloide sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die von über 6.000 Pflanzen gebildet werden, um ihre natürlichen Fressfeinde abzuwehren. Im Tierversuch zeigen bestimmte Verbindungen dieser Stoffe (1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide (PA)) lebertoxische sowie krebserzeugende und erbgutverändernde Wirkungen.

Ein Vorkommen dieser Verbindungen in Lebens- und Futtermitteln ist daher natürlich unerwünscht, doch grundsätzlich in vielen Lebensmitteln möglich: In Salat, Tee und Kräutertee durch Verunreinigungen mit PA-bildenden Wild- oder Unkräutern; in Honig, für den Bienen Pollen von PA-bildenden Wildpflanzen sammeln; in von Tieren stammenden Lebensmitteln wie Milch, die zuvor PA-haltige Futtermittel gefressen hatten oder in Nahrungsergänzungsmitteln, die aus PA-bildenden Pflanzen hergestellt werden.

Auch weil der Nachweis toxikologisch relevanter PA sehr aufwändig ist und nur von Speziallaboren durchgeführt werden kann, gibt es derzeit keine gesetzlichen Grenzwerte für diese Verbindungen in Lebens- bzw. Futtermitteln. Für Hersteller gilt das ALARA-Prinzip: as low as reasonably achievable (soweit minimieren wie nur möglich).

Um nach diesem Prinzip sichere Lebens- und Futtermittel herstellen zu können, suchen die Hersteller für ihre Rohstoffkontrolle und ihre Qualitätssicherung nach Möglichkeiten, diese gesundheitlich bedenklichen Pflanzeninhaltsstoffe schnell und einfach vor Ort detektieren zu können – sie wollen nicht auf kostenintensive, nur von Speziallaboren durchführbare Verfahren angewiesen sein.

Hier setzt ein Projekt der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) an: Ziel des Teams von Wissenschaftlern der Technischen Universität München und der Universität München ist es, ein antikörperbasiertes Screeningverfahren zur frühzeitigen PA-Detektion zu entwickeln. Dieses soll auch kleineren Unternehmen ermöglichen, innerhalb von wenigen Stunden eine Vor-Ort-Kontrolle ihrer Roh- und Endprodukte bezüglich einer möglichen PA-Belastung vornehmen zu können. Im Fokus der Untersuchungen stehen zunächst Kräutertees wie Pfefferminze, Kamille und Fenchel sowie Heu als relevante Matrices. Nach Abschluss der Validierungen kann das Nachweisverfahren grundsätzlich auf eine Vielzahl von weiteren Lebens- und Futtermitteln übertragen werden.

Es wird erwartet, dass mit den Ergebnissen des vorwettbewerblichen Projektes ideale Grundlagen für Diagnostika-Hersteller geschaffen werden, um daraus eigene Testformate wie z.B. Streifentests zu entwickeln. Damit können Lebensmittel- und Futtermittelproduzenten ihre Herstellungskosten sowie ökonomischen Verluste deutlich reduzieren: Sie sind nicht mehr auf externe Labore angewiesen, können schneller ihre Rohwaren verarbeiten und müssen im Zweifel nicht mehr ihren Herstellungsprozess bei Verarbeitung PA-kontaminierter Rohwaren unterbrechen oder ihre Produkte aus dem Handel nehmen. Verbraucher profitieren davon, in dem sie sicher sein können, dass sie nur Gutes aus der Natur genießen.

Informationen zum IGF-Projekt AiF 19010 N "Entwicklung und Validierung einer immunologischen Screening-Methode zur Bestimmung toxikologisch relevanter Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees und verwandten Matrices sowie Futtermitteln"


... ein Projekt der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF)

Förderhinweis
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