Projekt des Monats Juni 2026

Mikroplastik sicher ausschließen: Neue Nachweisverfahren für Trockenmilchprodukte

Vergrößern
Mikroplastik in Lebensmitteln wird seit einigen Jahren intensiv diskutiert und zählt derzeit zu den größten analytischen Herausforderungen in der Lebensmittelproduktion. Auch für Qualitätskontrolle und Lebensmittelüberwachung fehlen bislang geeignete und validierte Nachweisverfahren.

Für Hersteller von Trockenmilchprodukten geht es dabei nicht nur um die Frage möglicher Gesundheitsrisiken, sondern vor allem darum, eine Kontamination zuverlässig auszuschließen. Bereits der Verdacht, dass Mikroplastik in einem Produkt enthalten sein könnte, kann erhebliche Folgen haben – von aufwendigen Untersuchungen bis hin zu Reputationsschäden. Gleichzeitig liegen bislang kaum belastbare Studien dazu vor, in welchem Umfang Mikroplastik tatsächlich in Lebensmitteln vorkommt. Besonders groß sind die Wissenslücken bei nicht filtrierbaren Produkten wie Milchpulver, Molkenpulver oder Lactosepulver. Für diese komplexen Lebensmittel fehlen bisher geeignete und validierte Nachweisverfahren.

Die Ursache liegt in der Zusammensetzung der Produkte. Methoden, die für Wasser und Getränke entwickelt wurden und dort als Stand der Technik gelten, stoßen bei fett- und proteinhaltigen Matrices schnell an ihre Grenzen. Um Mikroplastik in Milchprodukten bestimmen zu können, müssen die Partikel zunächst aus der komplexen Matrix der Produkte herausgelöst werden, ohne dass sie dabei verändert oder verloren gehen. Genau dies gelingt mit den bisherigen Verfahren bislang nicht ausreichend. Hinzu kommt, dass frühere Untersuchungen zu Milchprodukten meist auf spektroskopischen Methoden beruhen. Deren Ergebnisse sind aufgrund unterschiedlicher Partikelgrößen und Zählweisen jedoch nur eingeschränkt vergleichbar. Ob und in welcher Menge Mikroplastik tatsächlich in Trockenmilchprodukten vorkommt, lässt sich daher bislang kaum verlässlich beurteilen.

Genau hier setzt ein neues Projekt der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) an, das am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück durchgeführt und vom FEI koordiniert wird. Ziel ist es, ein validiertes Verfahren zu entwickeln, mit dem sich Mikroplastik in Milchpulver, Molkenpulver und Lactosepulver sicher nachweisen – oder ausschließen – lässt. Im Fokus stehen Partikel aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polyethylenterephthalat (PET), Polyamiden (PA) und Polymethylmethacrylat (PMMA) in einem Größenbereich zwischen 5 und 200 μm.

Neu an dem Vorhaben ist, dass nicht nur einzelne Kunststoffarten oder einzelne Produkte betrachtet werden. Stattdessen entwickelt das Forschungsteam zunächst ein Modellsystem, in das definierte Mengen unterschiedlicher Mikroplastikpartikel gezielt eingebracht werden. So lässt sich systematisch untersuchen, wie gut sich die einzelnen Kunststoffarten in Milchpulver, Molkenpulver und Lactosepulver wiederfinden lassen. Gleichzeitig werden lebensmittelphysikalische Eigenschaften und Wechselwirkungen zwischen Kunststoffpartikeln und Lebensmittelmatrix erfasst. Auf dieser Grundlage soll ein Verfahren entstehen, das die organischen Bestandteile der Produkte entfernt und die Mikroplastikpartikel zugleich anreichert, ohne sie zu verändern oder zu verlieren. Erst dadurch können die Partikel anschließend zuverlässig identifiziert und quantifiziert werden.

Das Projekt verfolgt zudem einen breiteren Ansatz als bisherige Untersuchungen. Ziel ist nicht nur ein Verfahren für einzelne Trockenmilchprodukte, sondern eine Methode, die sich auch auf ähnliche Lebensmittel auf Milchbasis übertragen lässt. Darüber hinaus soll ein öffentlich verfügbarer neuer Stand der Analyse von Mikroplastik in Milchprodukten geschaffen werden, der nicht nur zur Aufklärung über das Ausmaß des Problems beiträgt, sondern auch Lösungsansätze für Arbeitsgruppen und Normungsausschüsse liefert und so erstmals eine gemeinsame Grundlage für die Untersuchung von Mikroplastik in Milchprodukten schafft.

Für kleine und mittlere Unternehmen wäre dies ein wichtiger Fortschritt. Mit den entwickelten Verfahren könnten sie Rohstoffe und Produktionsprozesse künftig gezielt überwachen, Verdachtsfälle überprüfen und potenzielle Eintragsquellen frühzeitig erkennen. Das hilft, Produktrisiken und Reputationsschäden zu vermeiden und die eigene Sorgfaltspflicht nachweisbar zu erfüllen.

Informationen zum IGF-Projekt 01IF23347N "Nachweisstrategien zum Ausschluss von Mikroplastik in Trockenmilcherzeugnissen"



... ein Projekt der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF)
Förderhinweis


Zurück zur Übersicht