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Projekt des Monats Februar 2026
Maßgeschneiderte Milchproteine aus dem Bioreaktor: Wie rekombinantes Casein neue Spielräume für Lebensmittel eröffnet

© TU München, Professur für Food Process Engineering
Querschnittsnahes Foto eines Mehrfach-Membranmoduls mit mehreren keramischen/tubulären Filtrations- und Dichtelementen an den Enden.

© TU München, Professur für Cellular Agriculture | Foto: Pia Lorenz
2-L-Bioreaktorsystem mit Sartorius Biostat A. Zu sehen sind das Kulturgefäß mit Anschlussleitungen, mehrere Sensor- und Peripheranschlüsse sowie die Pumpeneinheiten und Rührwelle mit Motor.
Im Fokus steht dabei die mikrobielle Produktion ausgewählter Caseinfraktionen, insbesondere von β- und κ-Casein. Anders als bei bisherigen Ansätzen liegt der Schwerpunkt nicht allein auf der Expression der Proteine, also ihrer Bildung in der Zelle, sondern auf einer gezielten Steuerung ihres Faltungs- und Aggregationsverhaltens während der Fermentation. Caseine zählen zu den sogenannten intrinsisch ungeordneten Proteinen, deren Struktur stark von äußeren Bedingungen beeinflusst wird und die in mikrobiellen Systemen zu Prozessinstabilitäten führen können. Um diesen Effekten gezielt zu begegnen, nutzt das Projekt temperaturabhängige regulatorische Elemente, sogenannte RNA-Thermometer, mit denen sich die Proteinbiosynthese gezielt steuern lässt.

© TU München, Professur für Food Process Engineering
Überlagerte chromatographische Spuren zeigen die Auftrennung von Casein-Subfraktionen. Die Hauptpeakzuordnungen sind markiert: κ-Casein (blaue Spur, frühe Peaks), αS1-Casein (rote Spur, dominanter Hauptpeak), αS2-Casein (rote Spur, niedriger Peak) sowie β-Casein (grüne Spur, spätere Peaks).
Durch diese Form der molekularen Prozesskontrolle soll die Produktbildung besser vom Zellwachstum entkoppelt und die Prozesseffizienz erhöht werden. Ergänzend werden posttranslationale Modifikationen untersucht, also gezielte chemische Veränderungen der Proteine nach ihrer zellulären Herstellung, wie die Phosphorylierung von β-Casein und die Glykosylierung von κ-Casein, da sie die kolloidalen Eigenschaften und funktionellen Wechselwirkungen maßgeblich beeinflussen. Parallel zur Prozessentwicklung werden die rekombinant hergestellten Caseine systematisch charakterisiert, unter anderem im Hinblick auf ihr Verhalten in typischen Verarbeitungsschritten der Lebensmittelherstellung.
Ein zentrales Ziel des Vorhabens ist es zudem, die gewonnenen Erkenntnisse allgemein zugänglich zu machen. Durch die Veröffentlichung von Prozessparametern, Messdaten und Ergebnissen zur Proteincharakterisierung entsteht eine belastbare Wissensbasis zu rekombinanten Caseinen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen eröffnet dies die Möglichkeit, Eigenschaften und Einsatzpotenziale rekombinanter Caseinfraktionen realistisch einzuordnen, Entwicklungsaufwände besser abzuschätzen und eigene Produkt- oder Prozessideen auf einer verlässlichen Datengrundlage zu prüfen. Auf diese Weise können Entwicklungsrisiken reduziert und frühzeitig Orientierung für mögliche Anwendungen gewonnen werden – auch bereits vor einer möglichen Zulassung entsprechender Inhaltsstoffe in der Europäischen Union.
Informationen zum IGF-Projekt 01IF24510N "Strategien zur Präzisionsfermentation und Anwendungsoptimierung von rekombinantem Casein in mizellaren Substrukturen – "SPArC""
... ein Projekt der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF)

