Vortragsreihe "FEI-Highlights": Dokumentation der Web-Vorträge im Januar und Februar 2022

Den Auftakt zu unserer Vortragsreihe "FEI-Highlights 2022" schufen zwei Nachwuchswissenschaftler, die im Rahmen eines CORNET-Projekts miteinander geforscht haben: Dr. Robert Sevenich von der TU Berlin und Dr. Maximilian Gratz von der BOKU Wien. Sie stellten die Ergebnisse des 2020 abgeschlossenen Projekts CORNET AiF 207 EN im Rahmen ihres Web-Vortrags am 26. Januar vor. 98 Interessierte waren via ZOOM dabei, viele Fragen aus dem Publikum wurden im Anschluss an den Vortrag von den Referenten beantwortet.

Im Februar haben wir die Vortragsreihe mit Prof. Dr. Charles Franz vom MRI in Kiel fortgesetzt: "Pseudomonaden in der Milchverarbeitung: Nutzung von Bakteriophagen als Biokontrollwerkzeuge mit IGF" lautete der Titel seines Web-Vortrags am 22. Februar 2022, in dem er vor insgesamt 89 Zuhörerinnen und Zuhörern die Essenz der Ergebnisse aus dem 2021 abgeschlossenen Projekt AiF 20027 N sowie den weiteren Forschungsbedarf vorstellte.

Für den Einblick in die Dokumentationen der Vorträge benötigen Sie eine Anmeldung im FEI-Service – sobald Sie sich angemeldet haben, werden Links zum Mitschnitt und zu den Präsentationsfolien zum Download aktiviert. Interessierte, die noch nicht für den FEI-Service registriert sind, wenden sich bitte per E-Mail oder Kontaktformular an unsere Geschäftsstelle (siehe Kontakt).

Web-Vortrag am 26. Januar 2022, 11:00 - 12:00 Uhr
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Mit IGF ressourceneffizient, schonend und mikrobiologisch sicher produzieren: Volumetrische Konservierungstechnologie zur Verbesserung der Lebensmittelqualität (CORNET AiF 207 EN)

Dr. Robert Sevenich
Technische Universität Berlin, Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie
Dr. Maximilian Gratz
Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Lebensmitteltechnologie

Video-Mitschnitt des Web-Vortrags* (48 Minuten)
Präsentation zum Vortrag* (43 Folien)
(* Links erscheinen nach Anmeldung im FEI-Service!)

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    Gesund, ressourceneffizient produziert, länger haltbar, mikrobiologisch sicher und auf die Bedürfnisse von Verbrauchern und Handel zugeschnitten – die Anforderungen an verarbeitete Lebensmittel sind hoch! Und gefragt sind sie auch: die vegane Bio-Linsensuppe, der grüne Smoothie mit Chia-Samen oder der scharfe Goji-Ingwer-Shot. Werden sie nicht zu Hause zubereitet, müssen sie haltbar gemacht werden. Doch gerade bei diesen hochviskosen und stückigen Lebensmitteln stoßen konventionelle thermische Verfahren an Grenzen: Um die für die Pasteurisierung oder Sterilisation notwendigen Kerntemperaturen zu erreichen, müssen lange Erhitzungszeiten eingehalten werden. Insbesondere viskose und stückige Lebensmittel können dann partiell überbehandelt werden – mit einem damit verbundenen Qualitätsverlust: Aroma, Textur und Farbe des Produktes verändern sich und es kann zur Bildung von unerwünschten Prozesskontaminanten führen. Zudem ist bei konventionellen thermischen Verfahren der Energieaufwand sehr hoch.

    Vor diesem Hintergrund suchen Lebensmittelhersteller nach alternativen Verfahren, um Lebensmittel schonender haltbar zu machen. Zwei Ansätze sind dabei vielversprechend:
    • die Hochdruckpasteurisation bzw. -sterilisation, bei der hohe hydrostatische Drücke von 600 MPa eingesetzt werden.
    • das Ohmsche Erhitzen, bei dem elektrischer Strom durch das Lebensmittel geleitet wird und dies aufgrund des Ohmschen Widerstands schnell und gleichmäßig durchwärmt wird.
    Obwohl beide Verfahren schon vor Beginn des Projektes angewendet wurden, gab es noch viele offene Fragen, u.a. zum Einfluss von intrinsischen und extrinsischen Faktoren während der Hochdruckbehandlung bzw. während des Ohmschen Erhitzens sowohl auf wertgebende Inhaltsstoffe und Aromen als auch auf Mikroorganismen, Sporen oder Prozesskontaminanten wie Furan oder MCPD-Fettsäureester.

    Ein Fall für die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF): Im Rahmen des interdisziplinären und international durchgeführten Projekts CORNET AiF 207 EN haben drei Forschergruppen aus Berlin, Wien und Prag gemeinsam Antworten auf diese Fragen gefunden. Anhand von verschiedenen Modellprodukten wurde eine breite Palette von Indikatoren auf ihre Empfindlichkeit gegenüber beiden Verfahren untersucht. Ziel war es, sicher pasteurisierte bzw. sterilisierte Produkte von hoher Qualität herzustellen – mit einem geringeren Energieaufwand.

    Das CORNET-Projekt konnte 2020 erfolgreich abgeschlossen werden. Die Essenz der Ergebnisse haben Dr. Robert Sevenich und Dr. Maximilian Gratz im Rahmen ihres Tandem-Vortrags vorgestellt.

    Die Ergebnisse eröffnen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus neue Absatzmärkte für Hochdruckanlagen sowie für Ohmsche Erhitzungsanlagen. Langfristig können damit in vielen Lebensmittelbranchen energieintensive thermische Konservierungsmethoden ersetzt werden – und die Qualität von verarbeiteten Lebensmitteln noch weiter verbessert werden.


Web-Vortrag am 22. Februar 2022, 11:00 - 12:00 Uhr
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Pseudomonaden in der Milchverarbeitung: Nutzung von Bakteriophagen als Biokontrollwerkzeuge mit IGF
(AiF 20027 N
)




Prof. Dr. Charles Franz
Max-Rubner-Institut, Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie, Kiel

Video-Mitschnitt des Web-Vortrags* (47 Minuten)
Präsentation zum Vortrag* (36 Folien)
(* Links erscheinen nach Anmeldung im FEI-Service!)

  • Zum Hintergrund


    Mit einer geschätzten Anzahl von 1031 gelten Bakteriophagen als die häufigsten biologischen Einheiten der Erde; bereits im Darmtrakt eines Menschen liegt die Phagenanzahl bei über 1012.
    In der Lebensmittelproduktion wirken sie im Guten wie im Schlechten: So können hohe Phagenbelastungen beispielsweise in der Milchverarbeitung zu erheblichen Fermentationsstörungen führen. Doch sie können auch als biologische Kontrollwerkzeuge eingesetzt werden, indem sie – als hochspezifische, natürliche Feinde von Bakterien – wirksam gegen Biofilme eingesetzt werden, die durch Bakterien wie Pseudomonaden verursacht werden und Qualitätseinbußen verursachen können.

    Die Analyse von Einflussfaktoren auf die Pseudomonas-Keimzahl in Rohmilch stand im Mittelpunkt eines Projektes der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), das 2021 erfolgreich abgeschlossen werden konnte: Mit den Ergebnissen aus dem Vorhaben AiF 20027 N ist es nun möglich, die Produktions- und Haltungsbedingungen sowie den Milchtransport und die Lagerung in Hinblick auf die Pseudomonaden-Belastung zu bewerten und daraus Handlungsoptionen zur Reduktion unerwünscht hoher Keimzahlen abzuleiten. Eine vielversprechende Option kann auch der Einsatz von Pseudomonas-Phagen in Rohmilch sein, was derzeit einer der aktuellen Forschungsschwerpunkte von Prof. Dr. Charles Franz ist.

    Einen Überblick der Ergebnisse aus dem abgeschlossenen Vorhaben sowie den weiteren Forschungsbedarf hat Prof. Dr. Charles Franz im Rahmen seines Vortrags vorgestellt.